Liebe Freunde, Sponsoren und Engagierte von FONMEH,
manchmal sind die Probleme so groß und zahlreich, dass man kaum weiß, womit man anfangen soll.
Wie einige von euch wissen, war ich vor zwei Wochen in Haiti. Leider musste ich die Reise wegen des Sturms Melissa abbrechen. Ich war gemeinsam mit drei weiteren Personen aus der Schweiz dort. Nach vier Tagen entschieden wir uns schweren Herzens zur Rückreise. Anfangs fühlte es sich wie eine Niederlage an, doch im Nachhinein wurde klar, dass es die richtige Entscheidung war: Der Sturm hat am darauffolgenden Tag alles lahmgelegt. Straßen wurden zerstört, und tragischerweise kamen rund 30 Menschen ums Leben – darunter 10 Kinder. Wir sind äußerst froh und dankbar, dass in unserem Haus niemand zu Schaden gekommen ist.
Über die Reise selbst werde ich beim nächsten Mal ausführlicher berichten, denn heute gibt es etwas noch Wichtigeres.
Heute erreichte mich die traurige Nachricht, dass Maylande Altema, ein Mädchen, das in unserem Waisenhaus aufgewachsen ist, verstorben ist.
Maylande war ein Sonnenschein – freundlich, sensibel und doch sehr verschlossen, wenn es um ihr persönliches Leben ging.



Seit etwa fünf Jahren lebte sie nicht mehr im Heim. Sie sehnte sich nach Freiheit und zog zu Verwandten, da sie keine Eltern mehr hatte. Leider wurde sie dort schlecht behandelt und fand keinen Frieden. Schließlich fand sie Zuflucht bei einem anderen ehemaligen Kind unseres Heims – dort hatte sie endlich jemanden, der sie wirklich verstand.
Später hatte sie eine Beziehung, die in die Brüche ging, und kurz darauf begann sie eine neue. Bald wurde sie schwanger und wusste offenbar nicht sicher, wer der Vater war. Die Situation überforderte sie völlig. Sie suchte schließlich wieder den Kontakt zu ihrem Ex-Freund, den sie für den Vater hielt. Doch auch er lebte in einem schwierigen Umfeld, in dem sie erneut schlecht behandelt wurde.


Am 21. Oktober brachte sie ihr Kind zur Welt – zu dieser Zeit war ich selbst in Haiti, ohne von der Geburt zu wissen. Erst am 30. Oktober erfuhren wir, dass es ihr sehr schlecht ging und sie kein Geld mehr für medizinische Versorgung hatte. Wir schickten ihr sofort 100 US-Dollar und organisierten Hilfe. Berline, ein weiteres ehemaliges Heimkind, machte sich auf den Weg ins Krankenhaus, um für sie Blut zu spenden. Doch als sie ankam, war Maylande bereits verstorben.
Zum Glück hat das Baby überlebt. Da niemand die Verantwortung übernehmen will – weder der mutmaßliche Vater noch die Verwandten – werden wir das Kind aufnehmen und versorgen. In der haitianischen Gesellschaft werden solche Fälle leider oft mit Scham und Verurteilung betrachtet, als wäre das Kind selbst ein Symbol des Scheiterns. Doch für uns ist jedes Leben ein Geschenk, und wir werden alles tun, um diesem Kind eine Zukunft zu geben.
Wir stehen nun vor zwei dringenden Aufgaben:
1. Die Beerdigung von Maylande, die uns voraussichtlich rund 2.500 US-Dollar kosten wird.
2. Die Versorgung des Neugeborenen, das ohne familiäre Unterstützung dasteht.
Darum bitten wir euch herzlich um Hilfe – jede Spende, groß oder klein, trägt dazu bei, Maylande würdevoll zu verabschieden und dem Kind eine Chance auf Leben, Liebe und Geborgenheit zu geben.
Leider ist dies kein Einzelfall. Immer wieder kommen alleinstehende Mütter zu uns, verzweifelt und weinend, weil sie ihre Kinder nicht mehr versorgen können. In solchen Momenten versuchen wir, sie zu stärken und zu unterstützen, damit sie bei ihren Kindern bleiben können – denn die Liebe einer Mutter lässt sich durch kein Geld der Welt ersetzen.
Zugleich stehen viele unserer Jugendlichen, die in unserem Heim groß geworden sind, kurz vor oder mitten im Studium – auch das bedeutet für uns eine große zusätzliche finanzielle Belastung.
Wir danken euch von Herzen, dass ihr unsere Arbeit begleitet, unsere Mails lest und mit uns Hoffnung teilt.
Mit herzlichen Grüßen,
Mondi Benoit
für FONMEH e.V.
