Jahresbericht 2025

Allgemeiner Überblick

FONMEH e.V. blickt auf ein herausforderndes Jahr 2025 zurück. Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Haiti haben sich leider nicht stabilisiert. Die vorherrschenden Schwierigkeiten – insbesondere wirtschaftlicher Art (Inflation von über 30 %) – erschweren die Arbeit unseres Vereins erheblich. Dennoch blicken wir auch dankbar zurück: Es ist gelungen, allen Kindern und Jugendlichen ein sicheres Zuhause, eine Heimat zu bewahren. Denn am härtesten trifft die Krise immer noch die Kinder Haitis, die schutzlos den Folgen ausgeliefert sind. Viele haben ihr Zuhause verloren, leiden Hunger und sind von jeglicher Schul- und Berufsausbildung ausgeschlossen.
Auch in 2025 setzte FONMEH e.V. seine Arbeit fort, um genau hier zu helfen. Der Verein engagiert sich seit über 15 Jahren für Kinder in Haiti. Ein Beispiel aus diesem Jahr ist unsere Mylande, die 2010 in unserem Waisenhaus aufgenommen wurde, zwischenzeitlich aber ausgezogen war. Tieftraurig haben wir erfahren, dass sie kurz nach der Geburt ihres Kindes gestorben ist. Nachdem der Vater keine Verantwortung übernommen hat, hat FONMEH e.V. kurzerhand beschlossen, sich um das Baby zu kümmern. Es wird nun von einer jungen Frau, auch ehemaliges FONMEH-Kind, betreut, die dafür vom Verein finanziell unterstützt wird.
FONMEH e.V. arbeitet ehrenamtlich, transparent und in enger Zusammenarbeit mit lokalen
Partnern. 2025 war zudem geprägt von dem Zusammenwachsen der FONMEH- und der MdA-Kinder, wodurch eine wunderbare Gemeinschaft entstanden ist. Wir danken allen Spendern und ehrenamtlichen Helfern von Herzen für ihr
leidenschaftliches Engagement – zum Wohle der Kinder. Nur durch diese großartige Unterstützung können wir so wirkungsvoll helfen und den Kindern Hoffnung schenken.

Ausblick und Zukunftspläne

Den mannigfaltigen Herausforderungen im Jahr 2026 wollen wir uns mit menschlichem Zusammenhalt stellen! Unsere Kinder, unsere Betreuerinnen und Betreuer, alle Aktiven im Verein FONMEH und vor allem unsere Spender, Unterstützer und Förderer – gemeinsam verfügen wir über eine große Kraft, um auch im neuen Jahr Bewährtes zu bewahren und Neues
zu gestalten!
In den vergangenen 15 Jahren konnten wir gemeinsam bereits viele Herausforderungen meistern! Erinnern Sie sich: Erdbeben, Hurrikans, Dürren und Überschwemmungen. Und niemals wurde die Hoffnung aufgegeben! Immer wieder wurde angepackt und aufgebaut!
Aktuell ist – neben der Grundversorgung aller Kinder – unsere größte Aufgabe, die Kosten für unsere Studierenden und Auszubildenden zu sichern. Dieses enorme Unterfangen können wir nur gemeinsam bewältigen.
Für uns von FONMEH e.V. heißt das vor allem, neue finanzielle Quellen zu erschließen, die Spendenakquise offensiv voranzutreiben und Menschen von unserer Vision zu überzeugen:
„Gemeinsam werden wir es schaffen, Haitis Zukunft zu verbessern“.

Einnahmen und Verwendung der Mittel

Die Einnahmen sind im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr leider gesunken. Unser Anteil für Werbung und Verwaltung entspricht rund 1,5 %. Für die direkte Projektbetreuung in Haiti wurden ca. 3 % der Gesamtausgaben aufgewendet,
was für die Kontrolle und Weiterentwicklung der Projekte sowie der engen Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern wichtig ist. Die uns anvertrauten Gelder fließen direkt dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht werden. So gewährleisten wir eine hohe Effizienz und maximale Wirkung unserer Mittel.

Bericht des Vorstandes zu den Entwicklungen im Einzelnen

Lage in Les Cayes
Die Lage dort ist ruhig. Natürlich ist die Realität in Port-au-Prince eine andere und das hat auch im Süden zu wirtschaftlichen Herausforderungen geführt. Aber in Les Cayes bewegen sich die Menschen frei; auch Besucher aus dem Ausland. Es ist keine Spur von Unsicherheit zu spüren. Das ist erfreulich und zeigt, dass die lokale Politik viel dafür tut, dass die Lage vor Ort
stabil ist.

Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit mit dem Verein Maison des Anges, MdA, aus der Schweiz hat sich sehr bewährt. Gemeinsam ist es uns gelungen, dass alle Kinder und Jugendlichen zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen sind.

Heimat
Um alle rund 80 Kinder unterzubringen, hat FONMEH e.V. zusätzlich zwei Häuser angemietet. In einem Haus sind 17 unserer männlichen Jugendlichen untergebracht; ins zweite Haus sind 13 junge Frauen eingezogen. Die Jugendlichen, alle mindestens 17 Jahre alt, werden jeweils durch ein Ehepaar betreut. Sie sollen lernen, sich selbst zu versorgen, und können sich dort zu selbstständigen und selbstverantwortlichen Menschen entwickeln. Sie werden ihren Schulabschluss machen und dann in die Berufswelt und in ihr eigenes Leben starten können.

Mitarbeiter in Les Cayes
Bei ihrem Haiti-Besuch im März haben Mondi und Miranda aus der Schweiz auch mit den Mitarbeitern gesprochen. Sie haben die aktuelle Situation analysiert und gemeinsam überlegt, welche Veränderungen notwendig sind, auch um den Kostendruck entgegen zu treten. Dazu kamen Gehaltsverhandlungen. Es ist dringend geboten, die Gehälter zu erhöhen, was
angesichts der Inflation eine wichtige Anpassung ist, auch um ihre Motivation zu stärken.

Impressionen vom März-Besuch
Bei seinen Haiti-Besuchen nimmt sich der 1. Vorsitzende, Mondi Benoit, auch Zeit für persönliche Gespräche mit den Kindern. Dabei hört er sich ihre Wünsche, Anregungen, aber auch evtl. Kummer an. Sie sind immer sehr glücklich über Besuch aus Deutschland und zeigen ihre Dankbarkeit auf vielfältige Weise.

Ausflug mit den Kindern / Jugendlichen auf die Insel Il-a-Vache


Medizinische Ambulanz im April 2025 eröffnet
Haiti steht besonders im Bereich der medizinischen Versorgung vor großen Herausforderungen. Deshalb haben FONMEH e.V. und MdA gehandelt. Der wichtigste Fokus war und ist die medizinische Versorgung unserer mittlerweile fast 80
Kinder und Jugendlichen. Diese werden von der Ärztin versorgt, die FONMEH e. V. angestellt hat. Sie hat bisher im Waisenhaus gearbeitet. Mit der Eröffnung der medizinischen Ambulanz wurde eine zentrale Anlaufstelle für die Gesundheitsversorgung geschaffen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war: Die medizinische Ambulanz soll möglichst kostendeckend betrieben werden, um langfristig von Spenden aus Deutschland unabhängig zu werden. Deshalb wurde das Zentrum auch für die lokale Bevölkerung geöffnet.
In der neu eröffneten medizinischen Ambulanz werden die Menschen zu fairen Preisen behandelt. Ein engagiertes Team aus
erfahrenen Ärztinnen und Ärzten sowie medizinisches Fachpersonal helfen, eine bestmögliche Versorgung zu bieten.

Medizinstudentin
Katiana wuchs in unserem Waisenhaus auf. Ihre Kindheit war geprägt von Herausforderungen und Unsicherheit. Doch sie hat das scheinbar Unmögliche geschafft: Sie studiert heute Medizin in Les Cayes. Bald trug Katiana zum ersten Mal stolz ihren weißen Kittel – ein Moment, der nicht nur für sie, sondern auch für uns alle ein Symbol der Hoffnung und des
Durchhaltevermögens ist.

Nähwerkstatt
Unsere Nähwerkstatt in unserem Waisenhaus steht unter der fachlichen Leitung von Madame Island. Inzwischen konnten wir eine Zweigstelle gründen. Sie befindet sich im „Simon Professional and Applied Training Center (CEFOPAS) für Haute Couture und Schnittmustererstellung“ – ebenfalls in Les Cayes und steht unter der Leitung von Madame Florence.
In den Nähwerkstätten erlernen unsere Jugendlichen – egal ob weiblich oder männlich – die Herstellung von Kleidung für den Eigenbedarf. Zudem bieten wir Menschen aus der Umgebung die Möglichkeit, Nähen zu erlernen. Damit helfen wir auch der lokalen Gemeinschaft, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Ziel ist es aber auch, Aufträge anzunehmen und die Produkte, z. B. Schuluniformen, zu verkaufen – um langfristig die Eigenfinanzierung zu sichern. Mit diesem sozialen und ökologischen Projekt schaffen wir ein Stück gelebte Nachhaltigkeit und Würde für die Menschen Haitis.

Bildung – unsere Studierenden 2025
Noch nie hatten wir so viele Studierende wie in diesem Jahr! Zwölf Kinder haben ihre Abiturprüfung abgelegt: 9 haben sofort bestanden, 3 werden die Prüfung wiederholen. Dies erfüllt uns mit großer Freude und wir sind stolz auf sie, aber es bedeutet auch eine erhebliche finanzielle Verantwortung!
Unsere Jugendlichen, die heuer ins Uni-Studium gestartet sind: Charles Cherline, Pierre W. Guile und Chery Roodly (alle drei Administration/BWL), Rebecca Bedlina (Medizin), Rolin Pierre (Informatik), C. Kensly (Agronomie), Theodat Claude und Simon A. Moïse (Bauingenieurwesen), Martial A. (Jura).

Haiti-Besuch im Oktober
Die Reise musste leider wegen des Hurrikans Melissa abgebrochen werden! Anfangs fühlte es sich wie eine Niederlage an, doch im Nachhinein wurde klar, dass es die richtige Entscheidung war – auch wenn sie erneut Flugkosten verursacht hat:
Der Sturm hat am darauffolgenden Tag mit Windgeschwindigkeiten von über 120km/h alles lahmgelegt. Straßen wurden zerstört und tragischerweise kamen rund 50 Menschen ums Leben.
Wir sind äußerst froh und dankbar, dass in unserem Haus niemand zu Schaden gekommen ist. Die Zerstörung ist groß und das Land wird erneut belastet.

Projekt Landwirtschaft
Ein wichtiger Baustein unserer Arbeit in 2025 war erneut unsere eigene Landwirtschaft. Angesichts der stark steigenden Lebenshaltungskosten in Haiti durch die rasante Inflation, soll uns dieses Projekt helfen, eine kostengünstige Versorgung mit Lebensmitteln sicher zu stellen. Leider sieht die Realität anders aus: Das Projekt läuft nicht befriedigend. Erst führt eine Dürre zu Ernteausfällen, dann Überschwemmungen, und letztendlich beeinträchtigt minderwertiges Saatgut die Ernteerträge erheblich. Trotz dieser Rückschläge bleiben wir „am Ball“ und werden unsere Bemühungen unbeirrt fortsetzen.

Finanzielle Lage – Belastung und Realität 2025
Finanziell hat FONMEH e.V. eines der anspruchsvollsten Jahre bewältigt.
Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Mit der erfreulichen Anzahl von Studierenden steigen unsere laufenden Kosten erheblich: für Studiengebühren, Materialien, Transport, Miete, medizinische Versorgung.
  • In Haiti erleben wir eine Inflation von über 30 Prozent, die nahezu alle Lebensbereiche betrifft:
    Lebensmittel, Transport, Medikamente, Kleidung, Schulmaterialien und Baukosten.
    Was früher noch 100 US-Dollar kostete, beläuft sich heute auf bis zu 150 US-Dollar.
  • Wir versuchen, Personalkosten zu reduzieren – doch die Grundversorgung der Kinder und Jugendlichen, medizinische Notfälle sowie eine sinnvolle Bildung erfordern verstärkte Betreuung und verursachen regelmäßig wiederkehrende Kosten.
  • Zudem belasten unvorhersehbarer Naturereignisse wie Hurrikans (aktuell die Reparaturen nach Hurrikan Melissa) und Überschwemmungen sowie menschliche Schicksale (Mylands Beerdigung und die Versorgung ihres Babys) unser Budget zusätzlich.

Dank

Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, wie verletzlich die Balance des Lebens in Haiti ist und wie wichtig unsere Arbeit für die Kinder und Jugendlichen bleibt. Dank unserer Spender, Unterstützer und Freunde können wir Leben retten, Perspektiven schaffen und einigen jungen Menschen Hoffnung schenken. All diese Menschen sind ein unverzichtbarer Teil unserer Mission – dafür danken wir Ihnen Herzen für Ihre Treue, Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung. Gemeinsam mit MdA werden wir die Herausforderungen des Jahres 2026 annehmen. Mit Ihrer Unterstützung können wir unsere Visionen verwirklichen und unsere Arbeit zum Wohle unserer Kinder und Jugendlichen weiterentwickeln. Bitte bleiben Sie weiter an unserer Seite, damit wir gemeinsam Licht und Liebe in das Leben unserer Kinder bringen können.

Ihr Mondi Benoit